IB-Theorien und Außenpolitikforschung

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit zwischenstaatlicher Interaktion im globalen Kontext ermöglicht es, Erkenntnisse über bestehende Zusammenhänge der internationalen Beziehungen zu gewinnen. Deren notwendige Reduktion auf gültige Aussagen generiert fortwährend neue Theorien und Paradigmen, welche die politikwissenschaftliche Teildisziplin „Internationale Beziehungen“ (IB) prägen und verändern.

IB-Theorien erfassen die Phänomene internationaler Politik aus unterschiedlichem Erkenntnisinteresse heraus und – je nachdem durch welche theoretische „Brille“ man schaut – auf Grundlage verschiedener methodischer und normativer Ansätze. Einen zentralen Einschnitt in der IB-Forschung stellte das Ende des Ost-West-Konflikts (1990/91) und damit das Ende der bipolaren Weltordnung dar. Neben den alten ideologischen Blöcken drängten neue Akteure auf die internationale Bühne, wie dies am Beispiel der aufstrebenden Volkswirtschaften Brasilien, Indien oder der Volksrepublik China zu beobachten ist. Als Folge der sich heute nunmehr multipolar entwickelnden Machtverteilung treten die damit einhergehenden transformativen Effekte auf das globale Gefüge in den Fokus aktueller IB-Debatten. Das hat überdies Folgen für die ökonomischen, politischen und sozialen Beziehungen zwischen Nationalstaaten und für deren Verhalten in Bezug auf die internationale Kooperation. Der Erfolg autoritärer Kapitalismusmodelle, die Reaktionen auf transnationale Sicherheitsphänomene oder die zunehmende Diskrepanz zwischen der Kompetenzverschiebung hin zu überregionalen und internationalen Institutionen auf der einen Seite und dem Rückzug gut vernetzter nationalistischer Bewegungen aus der internationalen Kooperation auf der anderen Seite deuten zudem weitere zentrale Einschnitte in den internationalen Beziehungen an.

Die empirische Beobachtung aktueller Wandlungsprozesse führt auch in den IB-Theorien zu einer Ausdifferenzierung und Verbreiterung des Bezugsrahmens, der sich über die Mainstream-Modelle des Neorealismus und Neoliberalismus (auch: neoliberaler Institutionalismus) beispielsweise auf konstruktivistische und feministische Ansätze ausweitet. Das bisher prägende rationalistische Menschenbild wird in der jüngeren IB-Forschung durch ethisch-normative und anthropologische Gesichtspunkte ergänzt. Unter Bezugnahme auf politikwissenschaftliche Forschung und Theorien der Internationalen Beziehungen stellt die Außenpolitikforschung außerdem einen weiteren Zweig dar, dem sich die thematische Forschungsgruppe inhaltlich widmet. Ferner richtet die KFIBS-Forschungsgruppe „IB-Theorien und Außenpolitikforschung“ ihre Aufmerksamkeit auf die neuesten Entwicklungen in den verschiedenen Theoriezweigen der Internationalen Beziehungen. Der Fokus liegt dabei auf der Analyse des außenpolitischen Handelns von Staaten. Folgende Fragestellungen stehen im Vordergrund:

  • Welche Bedeutung kommt den einzelnen (aufstrebenden) Regionen im globalen Machtgefüge zu?
  • Wie wirken sich politische Transformationsprozesse auf die internationale Ordnung aus?
  • Welchen Einfluss haben relevante Akteure auf die Ausgestaltung internationaler Normen?

Die KFIBS-Forschungsgruppe „IB-Theorien und Außenpolitikforschung“ setzt sich darüber hinaus zur Aufgabe, diese und ähnliche Fragestellungen aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven zu betrachten und kritisch zu diskutieren. Die Problematisierung aktueller internationaler Debatten und politischer Entwicklungen werden hierbei ebenso berücksichtigt wie die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Erklärungskraft einzelner Theorien und theoretischer Ansätze.

Die Arbeitsschwerpunkte der Forschungsgruppe „IB-Theorien und Außenpolitikforschung“ lauten wie folgt:

  • Theorien der Internationalen Beziehungen (IB), insbesondere Realismus, Liberalismus und Konstruktivismus sowie das Konzept der Soft Power
  • Theoriegeleitete Außenpolitikforschung bzw. Außenpolitikanalyse (Foreign Policy Analysis [FPA])
  • IB-Perspektiven zu Fragen globaler Sicherheit
  • Global Governance-Forschung
  • Internationale Kooperation, multi- und transnationale Abkommen
  • Emerging Powers (Regionen: Südostasien, Lateinamerika, Subsahara-Afrika)
  • Feministische IB-Forschung
  • Transitions-, Demokratie- und Autokratieforschung

Mitglieder der KFIBS-Forschungsgruppe sind:

Zoe Adam B.A., Master-Studentin

Dr. phil. Sascha Arnautović

Lennart P. Groscurth B.A., Master-Student

Marcel Helmchen, Bachelor-Student

Dr. phil. Bianca K. Milanowitsch

Jann Preisendörfer B.A., M.A. (FG-Sprecher)

Monja Steyer, Bachelor-Studentin