Asien

Der asiatische Kontinent befindet sich im Aufbruch. Die meisten asiatischen Länder verzeichnen hohe Wachstumszahlen, die Armutsquoten sinken und die Lebensqualität steigt. Mit jeweils rund 1,3 Milliarden Einwohnern (Stand: 2017) sind China und Indien die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Verschiedene Analysen prognostizieren, dass bei anhaltendem Trend China die USA im Jahr 2030 als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen wird. Asien wird dann den größten Teil der globalen Mittelklasse stellen. Aufgrund dieser Entwicklungen ist es kaum verwunderlich, dass häufig postuliert wird, dass das 21. Jahrhundert ein „chinesisches“ bzw. ein „asiatisches Jahrhundert“ sein wird.

Nicht zuletzt deshalb ist ein Blick sowohl auf die Außen- als auch auf die Innenpolitik dieser Länder notwendig. Insbesondere der Aufstieg Chinas verändert das Weltsystem und die internationalen Beziehungen grundlegend. Ob bei Großprojekten wie der „Neuen Seidenstraße“, der digitalen Innovation oder dem Klimawandel: Chinas Einfluss auf weltpolitische Fragen steigt.

Anders als namhafte Politikwissenschaftler(innen) vorhersagten, geht die wirtschaftliche Liberalisierung des „Reichs der Mitte“ keineswegs mit einer politischen einher: Die Macht der Kommunistischen Partei Chinas ist ungebrochen – und der chinesische Präsident Xi Jinping gilt als mächtigster Staatsmann seit Mao Tse-tung. Das Entwicklungsmodell Chinas eines (turbo-)kapitalistischen Wirtschaftssystems – bei einem gleichzeitig streng autoritären politischen System – hat Strahlkraft weit über die Landesgrenzen hinaus und wird zunehmend zum Vorbild für die Region Asien.

Denn neben dem Wirtschaftswachstum ist der zweite große Trend die zunehmende Abkehr vom Modell einer westlichen liberalen Demokratie. Ob auf den Philippinen, in Thailand, Kambodscha oder in Vietnam: Fortschritte hinsichtlich der Meinungs- und Pressefreiheit, demokratischer Partizipationsmöglichkeiten und der Menschenrechte wurden zuletzt revidiert oder sind in Bedrängnis geraten. Befeuert wird dies auch durch die neuen Überwachungsmöglichkeiten, welche die fortschreitende Digitalisierung autoritären Regierungen ermöglicht.

Darüber hinaus zeigen sich in Asien eine Reihe von Konfliktfeldern, die weltpolitische Bedeutung haben: das Atomwaffenprogramm Nordkoreas, die Taiwan-Frage, der Kaschmir-Konflikt, die Gewalt gegen die Rohingya in Myanmar, die Tibet-Frage, der Tamilen-Konflikt in Sri Lanka oder der islamistische Terrorismus in Indonesien und auf den Südphilippinen, um nur die bekanntesten zu nennen. Übergreifende Probleme bilden die enorme Luftverschmutzung in den asiatischen Megastädten und die zunehmend spürbaren Auswirkungen des Klimawandels. Damit einher geht die Dringlichkeit, die rapide Entwicklung der asiatischen Region nachhaltig zu gestalten.

Die KFIBS-Forschungsgruppe „Asien“ hat sich zum Ziel gesetzt, diese vielfältigen Dynamiken theoretisch und empirisch fundiert zu analysieren.

Die Arbeitsschwerpunkte der Forschungsgruppe „Asien“ lauten wie folgt:

  • Transitions-, Demokratie- und Autokratieforschung
  • Institutionenökonomik im asiatischen Kontext
  • Friedens- und Konfliktforschung, vor allem unter Berücksichtigung ethnischer Konflikte
  • Regionale Integrationsforschung Südostasiens (ASEAN)
  • Außen- und Sicherheitspolitik – sowohl in der Region Asien als auch mit globalen Akteuren (USA, EU)
  • Wirtschaftliche Entwicklung der asiatischen Staaten im Vergleich
  • Global Governance im Hinblick auf globale Machtverschiebungen
  • Klima- und Umweltpolitik
  • Digitalisierung
  • Migration

Mitglieder der KFIBS-Forschungsgruppe sind:

Lucas M. Arndt, Bachelor-Student

Maximilian Högl B. A., M. A. (FG-Sprecher)

Jendrik Niebuhr B. A., Master-Student

Jann Preisendörfer B.A., M.A.

Dipl.-Region.-Wiss. (Ostasien) Stephan H. M. Schmitz