Afrika

Die vorkoloniale Geschichte und die kulturelle Vielfalt Subsahara-Afrikas bleiben in der medialen Darstellung eines „Krisenkontinentes“ häufig unberücksichtigt. Mitunter fallen auch Betrachtungen der jüngeren Vergangenheit und der aktuellen Entwicklungen nur wenig differenziert aus. Doch haben sich die inzwischen 54 afrikanischen Staaten seit Beginn der Dekolonialisierung und dem Ende des Ost-West-Konflikts in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt: Die Bandbreite an nationalen Konstellationen reicht von autoritär geführten Staaten bis zu konsolidierten Demokratien, sogenannten failed states und Ländern mit positiver Wirtschaftsentwicklung, ist also breit gefächert. Gleichwohl sind regionale Trends zu beobachten. Es gilt ferner, kontinentale Herausforderungen zu meistern.

Diese stellen nicht nur jedes afrikanische Land vor unterschiedliche Probleme, sondern sind auch maßgeblich von den internationalen Beziehungen zwischen den Kontinenten bestimmt. In der medialen, aber oft auch in der akademischen Auseinandersetzung mit Afrika wird insbesondere der Klimawandel richtigerweise als ursächlich „westliches“, jedoch in seinen Effekten vornehmlich den sogenannten globalen Süden betreffendes Problem behandelt. Probleme, die noch aus der Kolonialzeit herrühren und damit den westlichen Kolonialherren anzulasten sind, werden heutzutage meist nicht als solche dargestellt, sondern gelten vielmehr als hausgemachte Probleme Afrikas. Dazu zählen beispielsweise grundlegende Probleme wie die sozioökonomische Entwicklung und politische Fragilität der meisten Staaten Afrikas. Die Art und Weise, wie sich europäische Staaten, wie z. B. Frankreich oder Deutschland, der aus Afrika resultierenden Migration als ursächlich „afrikanisches Problem“ annehmen, ist symptomatisch für das vorherrschende verkürzte Verständnis von der historisch gewachsenen Rolle Afrikas in der globalisierten Welt.

Das zentrale Anliegen der KFIBS-Forschungsgruppe „Afrika“ besteht darin, entlang der verschiedenen Themenschwerpunkte ihrer Mitglieder einen Einblick in politische, soziale und wirtschaftliche Prozesse auf dem afrikanischen Kontinent zu geben sowie die hinter diesen Prozessen stehenden Akteure zu beleuchten.

Die KFIBS-Afrika-Forschungsgruppe möchte die sowohl wissenschaftlich als auch politisch und öffentlich-medial diskutierten „Erfolgsgeschichten“ und „Krisenszenarien“ des afrikanischen Kontinents als heterogene und teilweise ambivalente Phänomene näher in Augenschein nehmen und analysieren. Dabei sollen lokale Dynamiken sowie regionale, transnationale und globale Dimensionen von Transformation reflektiert und die Rolle internationaler Politik kritisch diskutiert werden. Auch finden Fragestellungen zur Analyse von Identität und Diskurs Einzug in die Forschungsgruppenarbeit. Nicht nur klassische Ansätze, sondern auch Theorien im Bereich der Postcolonial Studies sowie die feministische Literatur bieten in diesem Kontext geeignete wissenschaftliche Anknüpfungspunkte. Die regionale Forschungsgruppe „Afrika“ sieht ihre Herausforderung auch darin, komplexe Prozesse einer politisch interessierten Öffentlichkeit auf verständliche Weise zugänglich zu machen.

Die Arbeitsschwerpunkte der Forschungsgruppe „Afrika“ lauten wie folgt:

  • Die Rolle politischer Parteien und zivilgesellschaftlicher Organisationen
  • Das Management von natürlichen Ressourcen und deren Rolle in Konflikten
  • Wirtschaftliche Kooperation und Freihandelsabkommen
  • Klimawandel, Nachhaltigkeit und Politische Ökologie
  • Kritische Theorie im Bereich der Postcolonial Studies
  • Feministische Ansätze und Genderfragen
  • Post-Konflikt-Situationen (Friedensherstellung, Transition, Transformation)
  • Die Rolle internationaler Organisationen (Vereinte Nationen [VN] u. a.)
  • Analysen zu Terrorismus, Sicherheit und Stabilität
  • Afrikapolitik der Europäischen Union (EU)
  • Süd-Süd-Beziehungen und der Einfluss Chinas

Mitglieder der KFIBS-Forschungsgruppe sind:

Sandra M. Dürr B.A., Master-Studentin

Tanja Gillmann B.Sc., Master-Studentin

Jan Grabek, BA, M.A., Doktorand

Lennart P. Groscurth B.A., Master-Student (FG-Sprecher)

Verena G. Himmelreich B.A., Master-Studentin

Lea K. Kleinsorg B.A., Master-Studentin

Quitterie de Labbey B.A., M.A.

Pauline Mathieu B.A., Master-Studentin