
Kriege, Klimawandel, Naturkatastrophen, Ungleichheit, Armut, internationale Flucht- und Migrationsbewegungen, Handelskonflikte und nicht zuletzt auch Cyberattacken: Die Weltgemeinschaft beschäftigt eine Reihe von teilweise eng miteinander verbundenen Krisen und Herausforderungen. Viele davon stehen in direktem Zusammenhang mit unserem modernen Lebensstil, mit der zunehmenden Urbanisierung, der Übernutzung von Ressourcen und auch mit dem rasanten technologischen Fortschritt. Auf der Suche nach zielführenden Lösungsansätzen bedarf es daher einer ganzheitlichen Betrachtung sowie einer vielfältigen Expertise.
Im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals [SDGs]) der Agenda 2030 verpflichtete sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2015, diesen und weiteren Herausforderungen bis 2030 zu begegnen. Gefragt sind dafür nicht nur Lösungen auf nationalstaatlicher Ebene. Die Agenda 2030 stellt auch hohe Ansprüche an die internationale Zusammenarbeit und an multilaterale Institutionen. Zudem unterstreicht sie die Notwendigkeit einer grundlegenden Transformation unserer Wirtschaftsweise hin zu mehr Nachhaltigkeit – und das in kurzer Zeit, wenn es darum gehen soll, auch zukünftigen Generationen ein würdevolles Leben zu ermöglichen und in Zukunft Krisen mit mehr Resilienz zu begegnen.
Der Halbzeitbericht der UN (United Nations) zu den SDGs 2023 weist deutlich darauf hin, dass die Weltgemeinschaft bei keinem der Nachhaltigkeitsziele auf dem Weg war, ihre „2030-Ziele“ zu erreichen. In einigen Bereichen, wie etwa bei der Armutsbekämpfung, gab es nur sehr geringe Fortschritte. Doch in vielen Bereichen gab es lediglich Stagnation oder (teils als Folge der Coronapandemie) sogar Rückschritte, wie z. B. bei der Bekämpfung des Hungers und der Ungleichheit in der Welt.
Die Arbeit der im Jahr 2021 neu formierten KFIBS-Forschungsgruppe „Globale Zukunftsfragen“ orientiert sich im Kern an den zentralen und komplex miteinander verwobenen globalen Herausforderungen, die sich durch die Agenda 2030 stellen. Auch die Themen „Digitalisierung“, „Künstliche Intelligenz (KI)“ sowie „Fragen der Wissenschafts- und Forschungsethik“ sollen eine wichtige Rolle spielen. Die genannte thematische Forschungsgruppe richtet ihren Blick mit inter- und transdisziplinären wissenschaftlichen Analysen und Dialogveranstaltungen auf entsprechende nationale und internationale Probleme, institutionelle Prozesse, Akteure, Entwicklungen und Lösungsansätze. Ziel ist es, Mitglieder aus Wissenschaft und Praxis in ihrer Arbeit zusammenzubringen, um gemeinsam Problemanalysen und Lösungsstrategien zu diskutieren. Neumitglieder sind dabei jederzeit herzlich willkommen! Bei Interesse bitte an Dr. Sonja Thielges (Forschungsgruppensprecherin) unter sonja.thielges@kfibs.org wenden.
Zu den Forschungsfragen, denen sich die interdisziplinäre KFIBS-Forschungsgruppe widmet, zählen:
- Welche Herausforderungen stellen sich durch die weiter oben beschriebenen Prozesse und Entwicklungen für die Zukunft?
- In welchem Zusammenhang stehen sie zueinander?
- Wie könnten mögliche Lösungsansätze aussehen?
- Wie kann die notwendige gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation optimal gestaltet werden?
- Welche Rolle spielt dabei die Politik Deutschlands und der Europäischen Union (EU)?
- Auf welcher Governance-Ebene können und sollten Lösungsansätze entwickelt werden?
Die aktuellen Arbeits- und Interessenschwerpunkte der Forschungsgruppe „Globale Zukunftsfragen“ lauten wie folgt:
- Umwelt- und Klimaschutz
- Herausforderungen der Energietransformation
- Nachhaltige Finanzwirtschaft
- Globale Rechte der Natur
- Menschenrechte und autoritäre Praktiken
- Die Zukunft demokratischer Daseinsgestaltung
- Die Zukunft freier Wissenschaft
- Armutsbekämpfung
- Kulturwandel
- Internationale und interkulturelle Beziehungen
- Cyber- und Digitalpolitik
- Methoden der „Strategischen Vorausschau“ (Strategic Foresight)
- Der Wandel von multilateraler Ordnung und Entwicklungszusammenarbeit
15. März 2022: Zwei Stimmen aus der KFIBS-Forschungsgruppe „Globale Zukunftsfragen“, die angesichts des aktuellen Kriegsgeschehens in der Ukraine, das durch das Putin-Regime ausgelöst wurde, zu den Themen „Energiewende und Energiesicherheit“ sowie „Flucht und Menschenrechte“ Stellung nehmen.
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„Der Angriff Russlands auf die Ukraine führt uns vor Augen, was schon lange Realität ist – in der Politik aber nicht als dringendes Problem wahrgenommen wurde: Deutschland ist für seine Öl-, Gas- und sogar Kohleimporte hochgradig abhängig von der Russischen Föderation. Das nun zu ändern, wird Jahre dauern. Der geplante Neubau von Terminals für Flüssiggasimporte – möglicherweise aus den USA – ist jetzt eine erste politische Lösung. Der Fokus sollte hierbei auf der Energiewende liegen: Um seine Energiesicherheit zu erhöhen, sollte Deutschland noch energischere Schritte unternehmen, um die Energieeffizienz zu steigern, die Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien zu beschleunigen und die Elektrifizierung seiner Wirtschaft voranzutreiben.“
Dr. rer. pol. Sonja Thielges, Sprecherin, Mitglied und Autorin der KFIBS-Forschungsgruppe „Globale Zukunftsfragen“
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„Der Krieg in der Ukraine wird das Thema ‚Flucht‘ in einer ganz neuen Form auf die europäische Tagesordnung setzen. Laut UNHCR sind in der ersten Kriegswoche bereits eine Million Menschen aus der Ukraine geflohen – die meisten davon in die EU. Der rücksichtslose Umgang mit der ukrainischen Zivilbevölkerung, wie er sich etwa in dem völkerrechtswidrigen Einsatz von Munition mit Flächenwirkung über Wohngebieten äußert, befördert eine humanitäre Krise mitten in Europa. Dies wird die Heilung der Kriegswunden zusätzlich erschweren und die EU-Staaten in Zukunft intensiv beschäftigen.“
Fine Hartmann, Bachelor-Studentin, Mitglied und Autorin der KFIBS-Forschungsgruppen „Völker- und Europarecht“ sowie „Globale Zukunftsfragen“
Mitglieder der KFIBS-Forschungsgruppe sind:
Verena L. Baumüller B. A., Master-Studentin
Pit Hamer B.Sc., Master-Student
Malte Möbius B.Sc., M.A., Doktorand
Justin Schumann, Bachelor-Student
Dr. rer. pol. Sonja Thielges (FG-Sprecherin)
